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Die Hundeliebhaber unter euch werden sehr genau wissen, was ich meine.
Winterzeit mit Hunden ist – ich formuliere es einmal freundlich – anstrengend.
Im Sommer kann man von Außenaktivitäten nicht genug bekommen, so das Frauchen/Herrchen und Hund gleichermaßen entspannt durch Auslastung sind.

Kurz vor Weihnachten war es soweit. Ich suchte wie ein Trüffelschwein nach Lösungen. Meine kleine Jack-Russell-Hündin war definitiv das Gegenteil von ausgelastet, und führte mich hart an meine Grenzen.

Es gibt keine Zufälle, erzählte mir eine gute Freundin von dem Auslastungstraining in Dreieich, also um die Eck. „Das kannst du ganz einfach im Internet finden,“ wurde mir erzählt. „Gebe einfach ‚Hundeverrückt‚ ein,“ was ich in meiner Verzweiflung sofort tat.

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Alles was ich las brachte mich in meiner beginnenden Hunde-Winter-Depression in reines Entzücken.
Der Text meiner Mail erzielte scheinbar das gleiche Ergebnis bei Jeannette Eggert, der Gründerin von Hundeverrückt.
Das Telefonat war herzerfrischend.
Es gibt Menschen die einen aus dem Stand berühren und das Gefühl geben, dass man sie schon ewig kennt.
Dazu gehört definitiv Jeannette.
Wir lachten und warfen uns wechselseitig die Bonmots zu.

Seit Januar gehen wir ins Auslastungstraining für Fellnasen zur Jeannette.
Die beste Entscheidung ever.
Mein Hund Pauline und ich haben seither ein Dauergrinsen im Gesicht.
Nach dem ersten Training kamen Pauline und ich nach Hause.
Aus dem Mantel und Schuhe gepellt sah ich zu meinem Erschrecken Pauline wie tot vor dem Kamin liegen.
Ich stupste sie mit dem Zeigefinger an.

Sie hob nur wenige Millimeter ein Lied um danach sofort wieder in einen komatösen Schlaf für Stunden zu verfallen.
Kinder, das Zauberwort ist AUSLASTUNGSTRAINING.
Meine Pauline, ihres Zeichens lebendiger Jack Russell Terrier, ist zum ersten Mal in deren Leben platt und so was von entspannt.
Yeah, diese Investition hat sich gelohnt.

Bislang dachte ich, dass ich einen gut erzogenen Hund hatte.
Liebevoll führte mich Jeannette im Training an meine Fehler heran.
Überraschend wie schnell durch professionelle Korrektur sofortige Ergebnisse erkennbar sind.
Seither schnüffeln, suchen und apportieren wir, was das Zeug hält und meine Pauline dankt es mir bestens gelaunt.
„Sag mal,“ fing ich harmlos das Gespräch bei einem Training an.
Jeannette schaute mich fragend an, so dass ich weiter ausführte. „Dürfte ich auch einmal bei dir zu Gast sein?“ „Du weißt, ich bin seit zwei Jahren in unserer dörflichen Gemeinschaft Dietzenbach unterwegs und schreibe über Menschen bei denen ich zu Gast bin.“
„Nein, das wusste ich nicht.““Weshalb machst du das,“ wollte Jeannette wissen.
„Vom Ursprung war es eine Übergriffigkeit von streitlustigen Nachbarn, die mich dazu brachten einen gesellschaftlichen Spiegel vorzuhalten.“ „Mein Ziel war es das Positive wie Wertschätzung, soziale Kompetenz und Respekt zu stärken und nicht das Negative mit weiterer Streitlust zu nähren.“
„Ich hatte schlicht keine Lust mir das Raster dem Studium der Jurisprudenz, Rechtsschutzversicherung und der Bereicherung von Anwälten auf’s Auge drücken zu lassen.“
„Nach hause kommen hat für mich etwas mit Harmonie und Heimat als auch purer Lebensqualität zu tun.“
„Diese Lebensqualität haben mir diese Nachbarn durch tue dies und das und jenes lass versucht zu nehmen.
Da werde ich zur Jeanne de Courage und denke mir leck mich doch…. Ich lasse mir nichts nehmen, schon dreimal keine Lebensqualität.“
„Deshalb habe ich nach einer Lösung gesucht um deutlich die Grenzen aufzuzeigen und dennoch ein höheres Niveau im Umgang zu pflegen.“
„Hier sind es Nachbarn, jedoch ist die Menschheit leider so gespalten.“ „Ich polarisiere jetzt mal.“ „Vereinfacht zur Darstellung ist mein Eindruck, dass ein Drittel der Menschheit streitlustig und schlicht böse sind, ein Drittel Menschen mit sehr guten Charaktereigenschaften sind und das Drittel dazwischen sich noch nicht entschieden hat, wohin sie gehören.“
„Mit meinen Besuchen gebe ich diesem mittleren Drittel die Gelegenheit die guten Menschen näher kennenzulernen und vielleicht die Lust zu entwickeln, zu den Guten zu gehören.“
„In meiner grenzenlosen Romantik oder Naivität wäre das schönste Ergebnis, wenn aus dem Drittel der Bösen zum Guten wendet.“ „Es mag sich jetzt sehr kindlich und naiv anhören.“ „Es ist nur eine sehr schlichte aber bildhafte Darstellung meiner Motivation.“
„Ich schreibe über Menschen und deren Wertschätzung, soziale Kompetenz und Respekt.“ „Damit ehre ich sie, stelle ich sie auf ein Podest und lasse die Umwelt daran teilhaben.“

„Diese Hommage würde ich dir sehr gerne anbieten.“

Jeannette wäre nicht Jeannette wenn sie nicht genau so reagiert hätte, wie sie es tat.

„Das ist ganz wunderbar,“ sprudelte dieser herzenswarmer Mensch gleich drauflos.
„Weisst du, ich habe gerade das Gespräch mit der neuen Leiterin Frau Koch vom Tierheim Dreieich aufgenommen.“
„Ich würde sie gerne unterstützen.“ „Du kommst gerade zur rechten Zeit.“ „Du könntest dann über das Tierheim schreiben.“
„Moooooment liebe hundeverrückte Jeannette.“ „Selbstverständlich werde ich dich auch dort hin begleiten, also überall hin, wo du während meines Aufenthalts gehst, jedoch wollte ich zu dir.“
„Ich freue mich so und fühle mich total geehrt.“ „Geben ist einfacher als nehmen, damit tue ich mich schon schwer,“ sprach Jeannette streichelte mich liebevoll über die Wange.

Unkompliziert wurde ein Termin zwischen uns drei vereinbart und so stand ich in der Abenddämmerung mitten im Wald von Dreieichenhain vor dem Tor des Tierheims.

Pauline reagierte ganz merkwürdig. Die sonst selbstbewusste, frech grinsende Terrierdame klemmte vor dem Tor den Schwanz ein. Der Blick von ihr schien zu sagen: „Willst du wirklich hier rein? Nehme mich bloß wieder mit.“

Die Hunde in den großzügigen Gehegen bellten. Was sie zu sagen hatten schien nicht gut zu sein. Wenn Hunde weinen könnten, hätte glaube ich Pauline Rotz und Wasser geheult.
Voller Empathie reagiert sie und ich mit.
Ich versuchte dieses Gefühl der Beklemmung, des übermächtigen Mitgefühls nicht aufkommen zu lassen.
In den Gehegen waren Spielsachen.
Auf dem Gelände liefen Hunde auch frei herum und begrüßten uns freundlich.
Auf dem Rasen war ein Agility Parcours aufgebaut.
Die Luft roch nach Frühling.
Eigentlich bot nichts was ich sah die Grundlage für die Gefühle, die meinen Hund und mich beschlichen.
Ich hätte jetzt etwas darum gegeben Dr. Dolittle zu sein um zu verstehen, was die Hunde mir so sagten.
Vielleicht sagten sie ja, „hey du, dein Lippenstift passt nicht zur Farbe deines Mantels,“ oder „Die Leute wissen nicht was sich gehört. Eine Frechheit um diese Uhrzeit noch einen Besuch abzustatten.“

Mit weit geöffnetem Herzen hörte ich nur: „Bitte nehme mich mit und liebe mich.“
Ich hatte Pipi in den Augen und kraulte meine Pauline tröstend hinter dem Ohr.

„Hallo, ich bin Mirjam Koch,“ sprach mich die sehr sympathische Heimleiterin an.
„Es tut mir aufrichtig leid.“ „Ich weiß, wir sind verabredet, jedoch hat sich ein Gespräch mit potentiellen Bewerbern für einen meiner Schützlinge verzögert.“
„Ich stehe jetzt arg zwischen den Stühlen, denn ich habe mich sehr auf deinen Besuch gefreut, jedoch schlägt mein Herz gerade für mein Schützling.“

Gott, ist diese Frau aus dem Stand zum niederknien. „Mirjam,“ sagte ich und hätte sie am liebsten gleich umarmt, „überhaupt kein Problem.“ „Dafür stehe ich sehr gerne auch in der letzten Reihe.“
„Ich komme einfach wieder.“ „Wir sind nicht auf der Flucht, sondern wollen ja Gutes bewegen.“

„Dann lasse uns wenigstens ein paar Bilder von diesem Moment machen,“ sprach Mirjam und schaute mich treuherzig an.
„Ich setze mich mit meinem Hund zu dir und Jeannette nimmt Pauline auf den Schoß.“
Wir verabredeten uns erneut.

„Herzlich willkommen“, begrüßte uns Mirjam, als ich mit Jeannette erneut das Tierheim mit Herz in Dreieichenhain betrat.
„Darf ich dir Heike Bayer vorstellen?“ „Heike ist seit 30 Jahren für das Tierheim tätig.“ „Und das ist Kira Keil.“ „Kira ist seit 1 1/2 Jahren bei uns.“ „Das ist Timo Batz, der seit 5 Jahren unser Team bereichert.“
„Das ganze Team wirst du noch während deines Besuchs bei uns kennenlernen.“
„Zuerst stellen wir dich unseren Katzen vor,“ sprach Mirjam, schnappte mich und trug mich durch Gänge und Flure.“
Jeannette dokumentierte mit der Kamera wie der rasende Reporter.

Das ist Malcolm. Er ist seit 24.1.2017 bei uns.


Mit ihm zusammen wohnen Willy und Wilma.
Diese beiden sind sehr scheu auf den ersten Blick.
Sie brauchen ihre Zeit zum warm werden.


Bobby ging mir sehr zu Herzen. Dieser zierliche Kater hat vielleicht noch zwei Lebensjahre und wurde jetzt aufgrund Schwangerschaft der Besitzerin ins Heim gebracht.
Bobby sieht nicht aus wie (17) sondern eher wie ein junger Kater.
Dora wird nicht vermittelt.

Ich glaube ihr würde man keinen Gefallen mit einer Vermittlung tun.
Sie bekommt jetzt ein eigenes Haus auf dem Außengelände und darf hier bei uns die Rente einreichen…


Arabella ist Madame „don’t touch me“ nur ankucken nicht anfassen.
Deshalb ist dieses bildschöne Wesen schon seit 2 Jahren im Heim.
Normalerweise sind Katzen und Kleintiere in ständiger Fluktuation.
Meist sind sie nicht länger als 2-4 Wochen bei uns und werden dann vermittelt.

Es wäre schön, wenn auch Diven wie Arabella ein schönes Zuhause bei einem Menschen findet, der nicht aus der Kuschelfraktion kommt, sondern sich an der Eleganz dieses Geschöpfs schlicht erfreut.

Loretta, Nora und Vicky sind zu scheu meinen Überfall, so wie Elli und Barbarossa.
Selbstverständlich gehe ich damit respektvoll um und verzichte auf ein Fotoshooting.

Dafür nimmt Jeannette noch die Galerie der vermittelten Katzen auf die die Decke schmücken…


„Jetzt zeige ich dir den Bereich von unseren Hunden.“
Mirjam stellte mich vor einem Gehege eines temperamentvollen Wuschels a la Boomer ab.
Sofort versuchte Koki durch die Gitterstäbe schwänzchenwedelnd und gutgelaunt meine grüne Decke zu klauen.
Mit schlauer Technik hätte er es fast geschafft.

„Wie kommt den so ein attraktiver und durchaus sympathischer Hund zu euch,“ wollte ich wissen.
„Koki kam nicht allein.“

„Koki wurde gemeinsam mit
Derby eingewiesen.

„Welche schrecklichen Schicksale diese Wesen hier mitmachen mussten,“ dachte ich sehr berührt.


Libi braucht eine Weile, aber wenn sie dann Vertrauen hat, ist sie hinreißend


Lucky ist ein Paradebeispiel was Menschen einem Tier antun.
Ein Hund bedarf der Führung.
Die Kompetenzen sollte man sich immer fachmännisch erarbeiten und nicht try and error und bei error „weg damit“.
Spätestens nach den Hundeflüsterer im TV haben wir gelernt, dass mit Kompetenz jeder Hund ein tolles Mitglied der Gemeinschaft werden kann.

Nico

ist seit 7 Jahren hier. Definitiv mag er keine Fremde.
Mit anderen Hunden kommt er wunderbar zurecht.
Dieser liebenswerte Kerl wurde einst hier ins Heim zwangseingewiesen und vermutlich von seinem Besitzer aus diesem Zwinger gestohlen.

Als Nico dann wieder gefunden wurde, hatte er ein gebrochenes, unbehandeltes Bein.
Wir wissen nicht, ob es ein Unfall oder eine Misshandlung war.
Leider konnten wir ihn nicht mehr medizinisch versorgen.
Seither humpelt er und hat damit an äußerlichen Attraktivität verloren.
„Eine verlorene Seele nur aufgrund der verschlungenen Wege, die Nico sich ganz sicher nicht freiwillig angetan hatte.“
Oh Mann, ich hatte Pipi in den Augen, so weh tat mir diese arme Seele.
Es wird doch ein kompetenter Mensch mit Herz zu finden sein dachte ich während ich zuschaute, wie Nico mit der zierlichen Pflegerin kuschelte.

Pascha

Pascha glaubt fest daran ein Schoßhund anstatt ein kleines Pony zu sein.
Dieses Geschoss von einem Hund versuchte mit einem handzahmen Bambiblick auf den Schoß der Pflegerin zu krabbeln.

Schaut euch nur diesen Blick an.
Ein unglaublicher, zärtlicher (Schoss-)Hund.

Lex ignorierte den Auftrag als Model und gab sich leidenschaftlich dem Knutschen mit dem Pfleger Timo hin.


Diese Geschichte hat mich auch sehr berührt.
Lex wurde professionell vom Bund ausgebildet.
Vormals erhielten die Hundekollegen a.D. bei deren Hundeführer ein Gnadenbrot.
Das ist heute scheinbar nicht mehr die Regel, denn diese Knutschkugel wurde in unwissende Hände abgegeben und hat seither eine Vielzahl von Etappen hinter sich bringen müssen.

Die Beiden beweisen, dass es wie immer eine Frage der kompetenten Führung ist um auch diesen armen Kerl die Liebe zu schenken, die er längst verdient hat.

Abschließend schaue ich auf Leon, den Schäferhund.

Alle haben ihn abgeschrieben, weil „er“ etwas falsch gemacht hat.
Jeder Mensch, egal wie brutal dessen Vergehen auch gewesen sein mag, wird nach einer Strafe wieder sozialisiert und in die Gesellschaft integriert.

Tiere, die eigentlich die besseren Menschen sind erhalten nicht diese Chance in unserem Konsumverhalten und mangelnder Wertschätzung. Sitz, Platz auf’s Wort hören, Attraktivität aber gleichermaßen unkompliziert und pflegeleicht sind die Werte auf denen es den meisten Menschen im Umgang mit Tieren umgeht. Ich setze auf die anderen….

Diese zierliche Person könnte sich hinter Leon locker verstecken.
Sein Blick spricht Bände und trifft mich bis ins Mark.

„Wie kommt eine junge Frau wie du dazu Tierpflegerin im Tierheim zu werden,“ frage ich Mirjam während sie Leon das Wuschelohr krault.
Zuerst habe ich Biologie in Tübingen studiert. Promoviert habe ich in Geowissenschaften in Frankfurt. Als ich fertig war, habe ich mir meinen Traum erfüllt und eine Lehre als Pflegerin im Tierheim in Erfurt gemacht.

Ich wollte wieder zurück ins Rhein-Main-Gebiet. Als ich die Ausschreibung der Stelle als Leiterin vom Tierheim Dreieich gelesen habe gab es für mich kein halten mehr.

„Du könntest mir einen Gefallen tun und mir besonders bei der Vermittlung unserer Kleintiere  behilflich zu sein,“ lenkt auch dieses bescheidene Persönchen von ihrer wahren Größe ab.


Kleintiere müssen paarweise gehalten werden, da sie ansonsten kreuz unglücklich sind.
Das gilt besonders für Vögel, Ratten und Kaninchen.

Unsere Rattenbande ist schlicht entzückend und dürfen nicht getrennt werden.

Es ist wunderbar zu erleben, wie diese Tiere, so unterschiedlich deren Geschichte auch sein mögen, so unterschiedlich sie in deren Rasse sind, die pflegenden Menschen ihres derzeitigen Da“heims“ aufrichtig lieben.

Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass jeder dieser Tiere einen wunderbaren Menschen finden, oder umgekehrt?

Geht doch einfach einmal vorbei und lasst euch von dem tollen Team die Schönheit der einzelnen Wesen zeigen. Unterstützung in der Erziehung findet ihr definitiv bei Jeannette.

In diesem Sinne
Eure blaue Bank

 

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