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Wie entsteht ein Stück?
Das wollte ich genauer wissen.
Ich selbst kann nur über Themen schreiben, die ich erlebt oder gesehen habe.
Mir fehlt es an Talent ein Theaterstück auszudenken, wie Stephan es kann.
Ich wüsste nicht, wie ich beginnen müsste.

Das ist die erste Frage, die ich an Stephan richtete: „Wie kommst du zu einer Idee, einem Konzept für ein Stück?“ „Hast du aufgrund der Beobachtungen der ganz „normalen“ Wahnsinnigen Zuckungen in den Handgelenken bekommen und den Drang unbedingt darüber schreiben zu müssen,“ wollte ich wissen

Stephan lachte, „natürlich ist die eine oder andere Situationskomik durch Beobachtung entstanden, jedoch geistern lange bevor die Geschichte entsteht die Personen in meinem Kopf herum.

„Die Personen ‚geistern‘ in deinem Kopf herum, also die Rollen der jeweiligen Pfleger und Patienten,“ fragte ich ungläubig nach.

„Ja,“ antwortet Stephan schlicht. Erst sind es die Menschen, die in meinem Kopf entstehen.“ „Danach nehme ich mehr und mehr bewusst Situationen und Entwicklungen wahr.“

„Jeder therapiert jeden im Gespräch, war eines meiner ersten deutlichen Wahrnehmungen, als ich mich gedanklich mit dieser Thematik beschäftigt hatte.

„Früher wurde man sozial ausgegrenzt, wenn man sich in therapeutischer Behandlung begab.“ „Heute ist es das Gegenteil. Es gehört zum guten Ton in Therapie zu gehen.“

„“Beanworte doch einmal die Frage wie geht es dir mit:“Toll, sehr gut.“ „Du wirst sehen, dass die Menschheit positiver resoniert, wenn du antwortest. „Schlecht, sehr schlecht“. „Da gehen sofort alle Lampen voller Freude an und die therapeutischen RatSchläge können verteilt werden.“

„Es wird das Haar in der Suppe gesucht, anstatt die Suppe zu genießen. „

„Meist wird mit einer Gruppe von Menschen mit wenig Sachverstand, also therapeutischem fundiertem Wissen und Können wechselseitig therapiert und die entsprechenden Probleme hoch und runter je nach Bedarf groß oder klein geredet.“

„Das habe ich in dem Stück die Reise in den Wahnsinn übernommen.“

„Es wird heutzutage nicht danach gesucht das Problem zu lösen, sondern das Problem zu zelebrieren.“

„Na du rennst mit dieser These bei mir ganze Scheunentore ein,“ erwiderte ich.

„Zelebrieren der Probleme ist ein grundlegender roter Faden in dem Stück und lässt es skuril und lustig werden, ohne albern oder anklagend zu sein.“

„Ich nähere mich dem Stück teilweise von der Farce zur überzogenen Steigerung bis hin zur sehr nahen Betrachtung im Spiegel der Gesellschaft.“

Selbstverständlich recherchiere ich viel zu der jeweiligen Thematik. Ich habe Bücher über einiges gelesen, was ich zu diesen Themen bekommen konnte. Interessante Themen habe ich aus subjektiver Sicht inhaltlich verwendet.

Ich bin mir immer bewusst, dass ich Komödien schreibe.
Ich möchte nicht, dass Menschen sich schlecht fühlen, sondern auch humorvoll niemanden die Maske vom Gesicht reißen werde oder gar als Mahnmal mit hocherhobenen Finger drohe, dass sich etwas ändert.

Irgendwann spüre ich die Geschichte.

„Ich setze mich hin und lasse alles raus und schreibe, oder besser gesagt die Figuren sprechen zu mir und ich schreibe es einfach nur auf wie eine Sekretärin beim Diktat,“ führt Stephan Eckel augenzwinkernd weiter aus.

In unserem Stück die Reise in den Wahnsinn führe ich durch die jeweiligen Psychosen von freien und enthemmten Menschen auf der Bühne eskalieren zu lassen und dadurch dem Zuschauer die maximale Unterhaltung biete.

Bevor das Stück tatsächlich an ein Theater geht wie hier beim Reiner Wagner, habe ich es 1000 Mal redigiert und jedes Mal wieder etwas verändert. Irgendwann ist es das, was ich will.

Es ist eine Kunst nicht über diesen Zenit hinaus zu gehen.
Es würde dann nur verschlechtern anstatt zu verbessern.
Dann muss man sich zwingen aufzuhören, auch wenn es schwerfällt.
Ab diesem Zeitpunkt gibt man es ab und schickt es in die Welt wie ein Kind, dass das Licht der Welt erblickt.

Ich habe das Stück per Mail an Reiner geschickt.

Das ist auch eine Besonderheit wie mir gerade in unserem Gespräch auffällt. Meine Stücke schicke ich meist zuerst an Reiner. Bislang waren alle Stücke, die ich ihm gab ein Erfolg.

„Es waren schon einige Stücke die hier an diesem Theater aus aus deiner Feder stammten.“ „Mir fallen spontan Feste feiern wie sie fallen, alles über Liebe, ein kleiner Scherz, der perfekte Weihnachtsmann, ein Hund, ein Wort oder der Anruf spontan ein,“ zählte ich auf. Während ich die Stücke aufzählte wurde mir bewusst, dass in jeden der Stücke Stephans Handschrift deutlich zu erkennen war. Humorvoll, teilweise mit Tiefgang die er aber immer wieder elegant in einen angenehmen Abschluss führte.

„Es ist schon ein wenig wie bei einem Kind nur mit dem Unterschied, dass der Autor das Kind nach der Geburt sofort zur Adoption freigibt,“ holt mich Stephan aus meinen Überlegungen ab und grinst mich an.
„Wie eine schlechte Mutter, denn welche Mutter gibt ihr neugeborenes Baby direkt nach der Geburt ab.“

„Jetzt beginnt ein auch für mich immer wieder spannender Prozess.“ „Das Leben wird diesem frisch geborenen Kind vom Regisseur und den Schauspielern eingehaucht.“

„Wenn ich dann das Stück sehe, sehe ich mein Kind als herangewachsene und gestandene Person.“
„Jede Premiere ist für mich super spannend, da ich bis dahin nicht weiß, welche Fahrt meine geschriebenen Worte aufgenommen haben.“
„Ich kenne wohl die Geschichte, jedoch weiß ich nicht, was daraus entwickelt wurde.“

Ich erhielt von Stephan das Drehbuch „zur Reise durch den Wahnsinn“ und begann zu lesen.
Mehrfach, denn es ist ganz etwas anderes ein Drehbuch zu lesen, als ein Buch.
Es gibt wohl eine Handlung, jedoch sind es im Drehbuch Aussagen mit Regie-Hinweisen.

Darüber berichte ich das nächste Mal….

 

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